„Die Preise müssen runter“

Abgeordnete im Gespräch mit Stadtwerken und Netzgesellschaft in Lübbecke

11.08.2022, 08:22 Uhr | Bianca Winkelmann

Auch wenn das Thermometer aktuell Temperaturen um die 30 Grad anzeigt, steht fest: Der nächste Winter wird kommen und damit auch die Notwendigkeit zum Heizen. Was jetzt angesichts steigender Energiepreise zu tun ist, darüber sprachen die Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann und der Bundestagsabgeordnete Dr. Oliver Vogt jetzt mit den Geschäftsführern Markus Hannig (Stadtwerke Lübbecke) und Michael Scherf (Netzgesellschaft Lübbecke).

Beide sind sie lange in der Branche tätig, haben eine Situation wie die aktuelle aber noch nicht erlebt. „Wir sind in sehr herausfordernden Zeiten“, brachte es der Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Hannig auf den Punkt. War es früher so, dass Versorgungssicherheit, stabile Preise sowie Klima- und Umweltschutz im energiewirtschaftlichen Dreiecks gleichbedeutend waren, hat sich der Fokus jetzt klar auf die Versorgungssicherheit verschoben, mit Nachteilen für die Preise und den Umweltschutz, erklärte Markus Hannig. „Die Preise sind aktuell auf einem nie dagewesenen Niveau und müssen runter“, sagte er.

Zwar sei die EEG-Umlage inzwischen abgeschafft worden und die Stadtwerke hätten diese Absenkung auch eins zu eins an ihre Kundinnen und Kunden weitergegeben, „aber das ist bei den aktuellen Preisen nicht viel mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein.“ Die gestiegenen Kosten träfen nicht zuletzt auch die Unternehmen, die es dann auf die Konsumenten umlegen müssten. „Das verstärkt die Inflation noch mehr“, so Markus Hannig.

Michael Scherf berichtete von den erarbeiteten Notfallplänen, wie im Falle einer existenziellen Gasknappheit umzugehen wäre: „Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt nicht davon aus, dass die Pläne zum Tragen kommen, aber wir müssen vorbereitet sein.“

Doch wie kann man Abhilfe schaffen? „Wir sollten alles dafür tun, kein Gas mehr zu verstromen“, ist Michael Scherf überzeugt. Bianca Winkelmann und Dr. Oliver Vogt unterstützen die Meinung und setzen deshalb zum Beispiel darauf, die verbliebenen Atomkraftwerke noch länger als geplant zu nutzen. „In dieser schwierigen Lage können wir nicht auch noch Gas in Kraftwerken verstromen, aber Atomkraftwerke vom Netz nehmen“, sagt Dr. Oliver Vogt. „Das verschärft die Situation noch weiter.“

Beide Abgeordneten sehen in der Stärkung der Stadtwerke eine wichtige Aufgabe für die kommenden Jahre. „Den kommunalen Stadtwerken als Akteuren der Energiewende kommt eine Schlüsselrolle in der Transformation Nordrhein-Westfalens zu einem klimaneutralen Industrieland zu“, zitiert Bianca Winkelmann den aktuellen schwarz-grünen NRW-Koalitionsvertrag.