Als Speisekarte dient nun das Smartphone

Bianca Winkelmann im Gespräch mit Gastronomiefamilie Schneider

11.05.2020 | Bianca Winkelmann
Bevor der Gast das Restaurant betritt, werden die Hände desinfiziert: Claudia Landmann (von links), Vivien Schneider, Johann Schneider und Bianca Winkelmann.
Bevor der Gast das Restaurant betritt, werden die Hände desinfiziert: Claudia Landmann (von links), Vivien Schneider, Johann Schneider und Bianca Winkelmann.

Als Johann Schneider und Tochter Vivien am Montagmorgen pünktlich um neun Uhr die Türen des „Schneiders am Brunnen“ in Espelkamps Zentrum öffnen, wartet draußen schon der erste Gast. Es ist die Landtagsabgeordnete Bianca Winkelmann (CDU). Ihr geht es jedoch weniger um den Kaffee, den sie gleich trinken wird, sondern vielmehr darum, sich ein Bild von der Lage zu machen und die Einschätzung der Gastronomie zu erfahren.

Knappe zwei Monate ist es her, da mussten die Restaurants und Kneipen im Land aufgrund der Corona-Pandemie ihre Türen schließen. Schneiders setzten wie viele ihrer Kollegen auch in dieser Situation auf Außer-Haus-Verkauf. „Irgendwann wurde es richtig langweilig“, schaut Vivien Schneider zurück. „Das war die totale Entschleunigung“, sagt Johann Schneider nicht ohne Ironie. Und so freuen sie sich nun ganz besonders, ihre vier Lokale in Espelkamp wieder unter bestimmten Vorkehrungen öffnen zu dürfen So steht im „Schneiders am Brunnen“ direkt am Eingang ein Spender mit Desinfektionsmittel, Tische werden nach jeder Benutzung desinfiziert und statt Frühstücksbüffet gibt es nun Brötchen, Eier und Aufschnitt auf dem Teller. Außerdem müssen Gäste sich in einer Liste eintragen.

Lobende Worte findet Johann Schneider vor allem dafür, dass es in NRW anders als in vielen anderen Bundesländern keine vorgeschriebenen Öffnungszeiten und auch keine verpflichtende Halbierung der Bestuhlung gibt. „Das war ein mutiger Schritt von Nordrhein-Westfalen. Davon sollten sich andere etwas abschauen. Ich bin frohen Mutes, dass es so weitergehen kann“, sagt Johann Schneider. Gerade die nicht begrenzten Öffnungszeiten würden den Besucherandrang entzerren. „Die Gastronomie und das Hotelgewerbe sind mit am härtesten von der Krise getroffen. Es steht hier viel auf dem Spiel. Für uns als NRW-Koalition steht deshalb fest, dass wir die Betriebe nicht über Gebühr mit Auflagen überfrachten dürfen. So wenig Regeln wie möglich bei so viel Schutz wie nötig – darauf kommt es an“, sagt Bianca Winkelmann. „Eine zweite Infektionswelle dürfen wir uns nicht erlauben, um nicht zu einem erneuten Lockdown kommen zu müssen. Und deshalb müssen wir die Situation auch weiterhin alle ernst nehmen, also weiterhin Abstand halten, auf Hygiene achten und Alltagsmasken tragen.“

Beeindruckt zeigt sich die Christdemokratin von der hohen Disziplin und tollen Kreativität, wie die Gastronomen mit der Situation umgehen. Statt normaler Speisekarte liegen auf den Tischen im „Schneiders am Brunnen“ nun beispielsweise sogenannte QR-Codes. Wenn die Kunden diesen mit ihrem Smartphone scannen, können sie problemlos auf die Karte zurückgreifen. „Für alle anderen Menschen ohne Smartphone bieten wir einlaminierte Speisekarten an, die sich desinfizieren lassen“, erklärt Vivien Schneider.

Bianca Winkelmann nutzt den Besuch auch zu einem Appell: „Die Politik hat die Regeln angepasst. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es geht voran in eine verantwortungsvolle Normalität. Jetzt kommt es aber auch auf uns alle an, die Gastronomen so gut wie möglich zu unterstützen. Wer im Sommer sonst vielleicht in den Süden geflogen wäre und seinen Urlaub nun zuhause im Mühlenkreis verbringt statt auf Mallorca, sollte überlegen, ob er nicht einmal mehr bei seinem Lieblingsrestaurant bestellt oder ein kühles Barre Pils im Biergarten trinkt.“

Positiv bewertet wird auch die Entscheidung, dass die Mehrwertsteuer für Speisen von Juli an für ein Jahr auf sieben Prozent gesenkt ist. Problematisch stellen sich aktuell jedoch die Dokumentationspflichten dar. Vivien Schneider: „Unsere Mitarbeiter müssen mindestens alle 30 Minuten ihre Hände desinfizieren. Das ist kein Problem. Aber das jedes Mal aufzuschreiben, kostet unnötig Zeit.“